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Design Process

22. Juni 2026

UX Audit: Wie ich fremde Produkte analysiere und was ich dabei lerne

Ein UX Audit ist das ehrlichste Feedback, das ein Produkt bekommen kann. Wie ich systematisch fremde Interfaces analysiere – und was mir das für meine eigene Arbeit bringt.

UX Audit: Wie ich fremde Produkte analysiere und was ich dabei lerne

Eines der wertvollsten Dinge, die ich für meine eigene Designarbeit tue: Regelmäßig fremde Produkte systematisch analysieren. Nicht um sie zu kritisieren. Sondern um zu verstehen, warum sie so gebaut wurden – und was ich daraus mitnehmen kann.

Ein UX Audit ist im Kern eine strukturierte Analyse eines Interfaces gegen definierte Kriterien. Das klingt technisch. Es ist es aber nur, wenn man es falsch angeht.

Was ein UX Audit leistet

Ein guter Audit beantwortet drei Fragen: Was funktioniert gut und warum? Was funktioniert nicht und warum? Was fehlt, das Nutzer erwarten würden?

Die erste Frage wird oft vergessen. Dabei ist sie die wichtigste – weil sie zeigt, was man übernehmen und weiterentwickeln kann. Gutes Design kopiert sich nicht, aber es lernt von anderen.

Mein Analyse-Framework

Ich arbeite mit einer vereinfachten Version von Nielsens zehn Usability-Heuristiken als Grundstruktur, aber ich lege sie nicht mechanisch an. Sie sind eine Checkliste, keine Anleitung.

Navigationale Klarheit. Wo bin ich? Wo kann ich hin? Wie komme ich zurück? Drei Fragen, die jede Navigation beantworten muss. Wenn ich auf einer beliebigen Seite eines Produkts lande und mehr als fünf Sekunden brauche, um zu verstehen wo ich bin – Punkt gefunden.

Informationshierarchie. Was ist auf diesem Screen primär? Was ist sekundär? Was ist kontextuell? Gute Interfaces haben eine klare Antwort auf diese Frage. Schlechte behandeln alles als gleich wichtig.

Feedback und System-Status. Was passiert nach einer Aktion? Gibt es eine Bestätigung, einen Ladeindikator, eine Fehlermeldung? Interfaces, die nach Klicks stumm bleiben, erzeugen Unsicherheit.

Konsistenz. Verhalten sich ähnliche Elemente ähnlich? Haben Labels dieselbe Sprache? Ist das visuelle System kohärent? Jede Inkonsistenz ist ein kleines Hinterfragen des Systems durch den Nutzer.

Fehlertoleranz. Wie verhält sich das Produkt, wenn Dinge schiefgehen? Sind Fehlermeldungen hilfreich oder kryptisch? Kann man Aktionen rückgängig machen?

Was ich zusätzlich mache

Echte Nutzeraufgaben durchspielen. Ich definiere zwei bis drei realistische Aufgaben und versuche, sie als neuer Nutzer zu erledigen. Ohne Anleitung, ohne Vorwissen. Wo hake ich? Was überrascht mich? Was fehlt, das ich erwartet hätte?

Konkurrierende Produkte im selben Kontext. Wie lösen andere dasselbe Problem? Nicht um zu kopieren – um zu verstehen, welche Patterns sich in diesem Kontext durchgesetzt haben, und was passiert, wenn man davon abweicht.

Screenshots annotieren. Ich nehme Screenshots und annotiere sie direkt – positiv wie negativ. Was genau wurde hier gut oder schlecht gelöst? Warum? Das zwingt zur Präzision.

Was ein Audit für meine eigene Arbeit bringt

Der größte Lerneffekt ist nicht das Audit selbst. Es ist der Moment danach: Wenn ich zurück an meine eigenen Projekte gehe und dieselben Fragen stelle.

Weil man an eigenen Projekten betriebsblind wird. Man weiß, warum etwas so ist wie es ist. Man hat die hundert Entscheidungen mitgemacht, die zu diesem Screen geführt haben. Ein frischer Blick – der eigene oder der eines Auftraggebers – bricht diese Betriebsblindheit auf.

Regelmäßige Audits fremder Produkte trainieren genau diesen frischen Blick. Man lernt, Interfaces zu lesen statt nur zu sehen.


Ihr wollt wissen, wie euer Produkt aus der Perspektive eines unbeteiligten Designers aussieht? Genau das machen wir in einem UX Audit – meldet euch.