Seit Andrej Karpathy Vibe Coding im Februar 2025 geprägt hat, ist der Markt für KI-gestützte Entwicklungstools explodiert. Cursor, Bolt, Lovable, v0, Windsurf – gefühlt jede Woche ein neues Tool. Die Frage, die ich am häufigsten höre: Womit fängst du eigentlich an?

Hier ist, womit ich nach mehreren Monaten produktivem Einsatz arbeite – kein Marketing, keine Sponsorings.

Warum kein Tool alles kann

Der häufigste Fehler beim Einstieg: Man sucht das eine Tool, das alles macht. Das existiert nicht. Genauso wie ein guter Design-Workflow mehr als Figma braucht, braucht ein guter Vibe-Coding-Workflow mehrere spezialisierte Tools – mit klar getrennten Rollen.

Mein Setup: Cursor als Editor, Claude Sonnet/Opus als Modell darin, Claude Code im Terminal für komplexere Aufgaben.

Cursor + Claude Sonnet/Opus: Mein primärer Stack

Was es ist: Cursor ist ein KI-integrierter Code-Editor auf Basis von VS Code. Als Modell läuft dahinter Claude Sonnet – oder bei komplexeren Aufgaben Opus.

Was ich täglich damit mache:

  • Neues Feature beschreiben → Cursor plant und implementiert (Composer Mode)
  • UI-Komponenten direkt im Projektkontext generieren – kein separates Tool nötig
  • Bugs fixen: Fehlermeldung einfügen, Kontext erklären → Lösung + Begründung
  • Code refactorn und verbessern lassen

Sonnet vs. Opus: Für 80 % der Aufgaben reicht Claude Sonnet. Schnell, günstig, präzise. Opus lohnt sich, wenn Sonnet an einem komplexen Problem mehrfach scheitert oder wenn ich Architekturentscheidungen mit echten Trade-offs durchdenken will.

Stärke: Projektkontext. Wenn ich im dritten Monat eines Projekts ein Feature oder eine Komponente baue, weiß Cursor, welche Teile bereits existieren und wie sie zusammenhängen. Das macht v0 und ähnliche isolierte UI-Generatoren in den meisten Fällen überflüssig.

Grenze: Für größere, autonome Umstrukturierungen mit vielen Dateien kommt Claude Code ins Spiel.

Kosten: 20 $/Monat (Cursor Pro, unlimitierte schnelle Anfragen inkl. Sonnet)

Claude Code: Autonom im Terminal

Was es ist: Ein agentenbasiertes CLI-Tool von Anthropic. Claude Code arbeitet direkt im Terminal, liest und schreibt Dateien autonom und führt komplexe Aufgaben über mehrere Schritte aus – ohne dass jeder Schritt manuell bestätigt werden muss.

Was ich konkret damit mache:

  • Größere Refactorings über viele Dateien hinweg ausführen lassen
  • Neue Features in einem Schritt von der Beschreibung bis zur Implementierung bauen
  • Bestehende Architekturen analysieren und gezielt umstrukturieren
  • Aufgaben, für die Cursor zu viele Rückfragen oder Unterbrechungen kostet

Stärke: Autonomie. Claude Code trifft selbstständig Entscheidungen, navigiert durch die Codebase und arbeitet einen Auftrag durch – ähnlich wie ein erfahrener Entwickler, dem man eine Aufgabe gibt und der wiederkommt, wenn er fertig ist.

Grenze: Der Kontext ist mächtiger, aber auch aufwändiger zu steuern. Für kleine Änderungen ist Cursor schneller.

Kosten: Claude Pro (20 $/Monat) oder API-Nutzung

Das Zusammenspiel: Ein typischer Workflow

PhaseToolWas passiert
PlanenClaude Opus (in Cursor)Architektur, Datenmodell, Trade-offs
UI + Features bauenCursor + Claude SonnetKomponenten im Projektkontext generieren
Größere UmstrukturierungClaude CodeAutonom über mehrere Dateien hinweg
DebuggingCursor + Claude SonnetFehler verstehen, Fixes umsetzen

Dieser Loop läuft heute bei mir in Stunden. Ein Feature, das früher Tage gebraucht hätte, ist jetzt am Nachmittag prototypiert und integriert.

Was ich nicht mehr nutze

v0 by Vercel: War ein nützlicher Einstieg für UI-Prototypen – aber sobald Claude Sonnet im Projektkontext arbeitet, liefert es passendere Ergebnisse. v0 kennt das eigene Design-System nicht.

Lovable / Bolt: Gut für vollständige App-Generierung ohne lokales Setup. Für iterative Arbeit an bestehenden Projekten zu limitiert.

GitHub Copilot: War mein erster Einstieg. Cursor ist in jedem Punkt besser.